Ist KNX veraltet? Das Video zu über 30 Jahren KNX: alt, überholt oder bewährt

26 Minuten aus dem Podcast Smart Home Busters: Elektromeister Tobias Haack und Systemintegrator Torben Ledermann gehen einer Frage nach, die sie immer wieder in Kommentaren lesen: Ist KNX nach über 30 Jahren noch zeitgemäß? Es geht um die ETS, Smart Linking, die Geschwindigkeit und die Sicherheit alter Anlagen.

Tobias Haackmit Torben Ledermann
19. Juni 2026Video veröffentlicht
Heilbronn und UmgebungElektro Haack
Vorschaubild zu Folge 7 des Podcasts Smart Home Busters mit der Aufschrift „KNX veraltet? 30 Jahre später“, links ein Mann mit Locken und Bart, die Hand am Kinn, rechts ein Mann mit kurzen dunklen Haaren, beide in schwarzer Kleidung

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Inhalt: Kurz gesagt · Themen · Das Wichtigste · FAQ

Kurz gesagt Alt ja, veraltet nein: So sehen es beide. Torben Ledermann sagt, KNX hat sich in 30 Jahren bewährt, und ist sich ziemlich sicher, dass es das System noch Jahrzehnte geben wird. Schwächen sieht er bei der Software: Die Einrichtung über die ETS muss einfacher werden, Smart Linking soll da helfen. Wirklich veraltet sind aus seiner Sicht KNX-Anlagen, bei denen für den Fernzugriff einfach der KNX-Port nach außen geöffnet wurde. Ob sich KNX grundsätzlich lohnt, steht im Ratgeber Lohnt sich KNX?.

Themen dieser Folge

Laut Videobeschreibung geht es unter anderem um diese Punkte:

  • Warum KNX trotz seines Alters weiterhin relevant ist.
  • Welche Schwächen aktuelle KNX Projekte noch haben.
  • Warum Software und Inbetriebnahme einfacher werden müssen.
  • Wie wichtig Updates und Cybersecurity im Smart Home geworden sind.
  • Was alte KNX Anlagen wirklich veraltet macht.
  • Warum viele Elektriker heute anders planen als noch vor einigen Jahren.
  • Welche Rolle KNX auch in Zukunft spielen könnte.

Das Wichtigste aus dem Video

1. Alt heißt nicht veraltet

KNX gibt es schon über 30 Jahre. „Veraltet“ wäre aber der falsche Begriff, glaubt Tobias Haack. Er würde es vielleicht eher so formulieren: KNX ist erfahren, so wie er selbst mit 40 und über 20 Jahren Berufserfahrung auch nicht veraltet ist. Das Tolle am Thema KNX ist für ihn, dass so viele verschiedene Firmen dabei sind, die sich jedes Jahr neu erfinden.

Torben Ledermann sieht auf den letzten Messen ebenfalls eine Entwicklung: immer mehr Hersteller, das Thema immer präsenter. Er fragt, womit man vergleicht. Ein Smartphone wechselt man alle zwei oder drei Jahre und will das Neueste. Im Gebäude will man nicht alle zwei Jahre die Elektroinstallation neu machen. Dort will man etwas einsetzen, das sich bewährt hat und von dem man sicher sein kann, dass es die nächsten 10, 20, 30 Jahre noch am Markt ist. Das ist für ihn die spannendere Frage, nicht wie lange es KNX schon gibt.

Die Kommentare „KNX ist veraltet“ liest Torben meistens unter seinen Shorts zu KNX, ohne wirklichen inhaltlichen Bezug. Fragt er nach, warum, kommt meistens keine Antwort. Tobias meint, KNX als Marke sei vielleicht nicht so zeitgemäß, wie andere sich präsentieren. Auf dem KNX-Standard arbeiten aber viele Marken, und viele davon sind seiner Meinung nach State of the Art.

2. Die Schwäche: ETS und Inbetriebnahme

Etwas, das überarbeitet werden muss, sieht Torben im KNX-Bereich selbst. So ein System trägt natürlich seine Altlasten mit sich. Ein ganz heißes Thema ist die Parametrierung über die ETS, also die Software, mit der man ein KNX-Projekt anlegt und verwaltet. Das muss in Zukunft einfacher werden. Stand heute muss man viel manuell anlegen. Für jemanden, der zum ersten Mal damit zu tun hat, kann das sehr komplex wirken, auch wenn sich das mit einem Grundkurs vielleicht relativ schnell auflösen lässt.

Die Inbetriebnahme dürfte aus seiner Sicht gerne schneller gehen. Bei Standardfunktionen wie Licht schalten und Jalousie fahren muss man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Tobias sieht das auch so. Er glaubt, dass da vielleicht auch die Hersteller ein bisschen die Treiber sind: Es gibt Hersteller, die für ihre abgespeckte Version eigene Software bauen, die genau darauf zielt, dass es intuitiver und einfacher wird.

3. Smart Linking: Funktionen statt Einzelverknüpfungen

Torben erklärt, wie es heute läuft: Man legt den Taster und den Schaltaktor an und muss die einzelnen Verbindungen manuell erstellen, also den Schaltbefehl und die Rückmeldung. Bei der Jalousie sind es noch mehr dieser Verknüpfungen. Das sind die Gruppenadressen und Kommunikationsobjekte.

Die Idee ist, das langfristig nicht zu ersetzen, sondern eine einfachere Schicht darüberzulegen, mit sogenannten Funktionen. Man legt dann zum Beispiel den Raum Wohnzimmer an, darin die Funktion Licht schalten für die Deckenbeleuchtung, die Fensterjalousie und eine schaltbare Steckdose. Dann zieht man den Taster und den Schaltaktor darauf, und die verbinden sich von allein. Das soll auch bei der Jalousie und der Heizung gehen, wo es noch komplexer wird. Aktuell fällt dafür laut Torben immer wieder der Begriff Smart Linking.

Damit das funktioniert, müssen die Hersteller ihre Produkte mit mehr Informationen versehen, also wofür die einzelnen Objekte gedacht sind. Bisher ist das nur eine Textbeschreibung, die der Mensch versteht, aber nicht die ETS. Die ersten Hersteller hinterlegen diese Informationen jetzt bei neuen Produkten. Die ETS muss sich an der Stelle noch weiterentwickeln. Torben denkt, dass man mindestens mit dem richtigen Ansatz unterwegs ist.

4. Warum Tobias erst spät mit KNX angefangen hat

Tobias meint, auf so etwas ziele so ein Kommentar vielleicht auch, und da würde er mitgehen. Diese Entwicklung ist für ihn wichtig, damit das Thema für Elektriker interessanter wird. Er hat das Thema lange nicht gemacht, weil er dachte, es sei vielleicht zu kompliziert. Wer zum ersten Mal vielleicht ohne Grundkurs vor der ETS sitzt, den erschlägt es aus seiner Sicht. Dann denkt man vielleicht, das sei softwareseitig veraltet, und traut sich nicht ran.

Dazu kam, dass heute jeder über Smart Home spricht und jeder sein Smartphone nutzen möchte, um das Haus zu steuern oder zu sehen, was im Haus passiert. Auch mit seinem YouTube-Kanal kam er irgendwann nicht mehr darum herum. Den Grundkurs beschreibt er als das, was ihm die Hemmung genommen hat, dazu eigene Strukturen im Betrieb, die man vorher schaffen sollte. Heute ist er froh, dass er es gemacht hat, und ärgert sich eher, dass er nicht früher angefangen hat.

Beide haben sich für KNX entschieden. Im Gespräch heißt es aber auch: Auf dem eigenen YouTube-Kanal werden auch andere Systeme thematisiert, und zu Hause gibt es für einzelne Funktionen auch proprietäre Systeme, weil es eine Wohnung ist und nicht alles aufgerissen werden soll. Jedes System hat seine Berechtigung. Über proprietäre Systeme wollen die beiden in einer späteren Folge sprechen.

5. Ist KNX zu langsam?

Ein weiteres Argument in den Kommentaren ist die Geschwindigkeit. In der Netzwerktechnik ist man mit Glasfaser im Gigabit-Bereich unterwegs, auf dem KNX-Bus kommuniziert man mit 9600 Bit pro Sekunde. Im Gespräch heißt es dazu: Ja, es ist langsam, aber nicht für den Anwendungsfall. KNX arbeitet eventbasiert. Auf dem Bus wird nur etwas verschickt, wenn sich etwas tut, zum Beispiel wenn jemand einen Taster drückt, die Temperatur sich um 0,1 oder 0,2 Grad verändert oder jemand in den Bewegungsmelder läuft. Als Nutzer merkt man davon letztlich nichts.

Aus Nutzersicht ist der Vergleich für Torben überhaupt nicht relevant. Als Integrator stört ihn die Geschwindigkeit nur bei Firmware-Updates an KNX-Twisted-Pair-Geräten. Die können durchaus mal länger dauern.

6. Was KNX-Anlagen wirklich veraltet macht

Torben erzählt von einem größeren Projekt, das weniger klassische Gebäudeautomation ist als allgemein Automatisierungstechnik. Dort werden Steuerungen erneuert, und ein großes Thema ist Cybersecurity. Das ist für ihn relativ neu, er muss sich mehr damit beschäftigen. Im Gespräch heißt es: Wenn sich jemand in die Gebäudeautomation hackt und zum Beispiel Lüftung oder Klimaanlage manipuliert, ist ein Betrieb schnell nicht mehr arbeitsfähig.

Gehackte Anlagen bei eigenen Kunden hatte er glücklicherweise nicht. Er bekommt es aber immer wieder über YouTube-Kommentare mit. Und da ist er wieder bei der Frage, ob KNX veraltet ist: Ja, es gibt veraltete KNX-Anlagen, nämlich dort, wo man sich das Leben einfach gemacht und für den Fernzugriff einfach den KNX-Port nach außen geöffnet hat. Dann kann jemand von außen diesen Port nutzen, weil er nicht verschlüsselt ist und keine Passwortabfrage dahinter steckt, und die Anlage umprogrammieren.

In Foren und in seinen Kommentaren liest Torben von Fällen, in denen Geräte umprogrammiert und teilweise verschlüsselt wurden. Dieser Schlüssel greift tief in die Firmware ein, teils ohne Möglichkeit, ihn zurückzusetzen. Dann bleibt das Einschicken beim Hersteller, und das ist wirtschaftlicher Totalschaden. Im schlimmsten Fall hat man einen Haufen Elektroschrott vor sich. Mit Glück errät man das Passwort, im Userforum gibt es laut Torben ein paar Standardpasswörter, die wohl immer mal wieder aufgetreten sind. Manche Hersteller haben auch eine Hintertür eingebaut. Die Erfolgsaussichten sind aber sehr überschaubar.

Deshalb seine klare Empfehlung: Wer eine alte KNX-Anlage hat, sollte das unbedingt testen. Dafür gibt es laut Torben ein Tool der KNX Association auf deren Website, das von außen prüft. Ist der Port offen, die Freigabe abstellen und den Fernzugriff anders lösen, weil das ein riesiges Sicherheitsrisiko ist.

7. Alte Anlagen: Teile tauschen, Updates einspielen

Tobias meint, dass es nach 30 Jahren logischerweise ältere Anlagen gibt. Das heißt aber nicht, dass das Thema veraltet ist. Man sollte immer mal wieder schauen, worauf man heute achten sollte und was sich nachrüsten oder ersetzen lässt. Das Gute ist für ihn, dass man einzelne Teile ersetzen kann. Torben bestätigt: Eine komplette Anlage geht eigentlich nur bei so einem Hackingangriff kaputt, unabhängig davon gibt es noch Überspannungsschäden.

Im Gespräch wird außerdem empfohlen, bei einer Smart-Home-Anlage, die am Netzwerk hängt, als Systemintegrator oder auch als Kunde regelmäßig nach Updates zu schauen. Nicht wöchentlich, aber vielleicht einmal im Jahr oder so, und dabei kann vielleicht auch der Systemintegrator neue Firmwarestände auf die Geräte spielen. Der Vergleich im Video: Das Auto bringt man ja auch jährlich zur Inspektion.

8. Und die klassische Elektroinstallation?

Im Gespräch wird die Frage umgedreht: Ist nicht die klassische Elektroinstallation veraltet? Aus seiner Rolle sagt einer der beiden: definitiv ja. Es heißt aber auch, das hänge vom Blickwinkel ab, und dass das ein Thema für eine eigene Folge wäre.

Zum Abschluss geht der Blick noch einmal auf eine Messe. Dort hat man laut Gespräch sehr gut gesehen, dass sich die Hersteller auf KNX committen und es weiterverfolgen. Selbst neue Insellösungen haben KNX als Basis. KNX sei nicht das einzig wahre System, aber man mache damit, so heißt es, nichts falsch.

Nebenbei erzählt Tobias, dass bei seinem ersten großen KNX-Smart-Home-Projekt der Rohbau fertig ist und bald der Schrank auf die Baustelle kommt. Weil in den Kommentaren gefragt wird, was ein Smart Home kostet, möchte er an diesem Beispiel von Anfang bis Ende in einem Video zeigen, was so ein Smart Home kostet. Der Kunde ist dazu bereit. Eine Antwort darauf sei sehr komplex, weil es immer darauf ankommt.

Häufige Fragen

Ist KNX nach über 30 Jahren veraltet?

Die beiden sehen das nicht so. Tobias Haack glaubt, „veraltet“ wäre der falsche Begriff, er würde vielleicht eher sagen, KNX ist erfahren. Torben Ledermann sagt, KNX hat sich in den letzten 30 Jahren bewährt, und ist sich ziemlich sicher, dass es das System die nächsten Jahre und Jahrzehnte noch geben wird. Spannender als die Frage, wie lange es KNX schon gibt, findet er, ob es das System die nächsten Jahre noch geben wird.

Was muss bei KNX noch besser werden?

Torben Ledermann nennt die Parametrierung über die ETS, also die Software, mit der man ein KNX-Projekt anlegt und verwaltet. Stand heute muss man dort viel manuell anlegen. Die Inbetriebnahme dürfte aus seiner Sicht gerne schneller gehen, gerade bei Standardfunktionen wie Licht schalten und Jalousie fahren. Erste Ansätze gibt es, im Gespräch ist von Smart Linking die Rede. Tobias Haack sieht das genauso.

Ist KNX zu langsam?

Im Gespräch wird gesagt: Der KNX-Bus kommuniziert mit 9600 Bit pro Sekunde und ist damit weit weg von heutiger Netzwerktechnik. Er ist langsam, aber nicht für den Anwendungsfall, weil KNX eventbasiert arbeitet und nur etwas verschickt, wenn sich etwas tut. Aus Nutzersicht spielt das laut Torben Ledermann überhaupt keine Rolle. Ihn als Integrator stört die Geschwindigkeit nur bei Firmware-Updates an Twisted-Pair-Geräten, die können durchaus mal länger dauern.

Warum ist ein nach außen geöffneter KNX-Port gefährlich?

Laut Torben Ledermann kann dann jemand von außen diesen Port nutzen, weil er nicht verschlüsselt ist und keine Passwortabfrage dahinter steckt. So lässt sich die KNX-Anlage umprogrammieren. Er liest in Foren und Kommentaren immer wieder von Fällen, in denen Geräte umprogrammiert und teilweise verschlüsselt wurden. Im schlimmsten Fall steht man dann vor einem Haufen Elektroschrott. Seine Empfehlung: Wer eine alte KNX-Anlage hat, sollte das testen, dafür gibt es laut ihm ein Tool der KNX Association auf deren Website. Ist der Port offen, die Freigabe abstellen und den Fernzugriff anders lösen.

Muss man eine KNX-Anlage komplett erneuern, wenn sie alt ist?

Im Gespräch wird gesagt, dass man bei KNX einzelne Teile ersetzen kann. Eine komplette Anlage geht laut Torben Ledermann eigentlich nur bei einem Hackingangriff kaputt, unabhängig davon gibt es noch Überspannungsschäden. Für Smart-Home-Anlagen am Netzwerk wird im Gespräch empfohlen, vielleicht einmal im Jahr oder so nach Updates zu schauen, ähnlich wie bei der Inspektion beim Auto.

Elektromeister Tobias Haack aus Heilbronn

Über Tobias Haack

Tobias Haack ist Elektromeister und Inhaber von Elektro Haack in Heilbronn, Industriemeister Elektrotechnik (IHK) und KNX-zertifiziert. Auf seinem Kanal Tobi's Tool Time erklärt er seit 2021 Elektrotechnik aus der täglichen Praxis.

Hinweis: Im Video spricht Tobias mit Torben Ledermann, Systemintegrator, im Podcast Smart Home Busters. Aussagen sind der Person zugeordnet, die sie im Gespräch macht; wo das nicht eindeutig ist, steht „im Gespräch“. Genannte Marken, Hersteller und Organisationen stammen aus dem Gespräch. Eine Zusammenarbeit wird im Video nicht genannt. Stand der Seite: Oktober 2026.

Elektromeister Tobias Haack, Inhaber von Elektro Haack in Heilbronn
Tobias HaackElektromeister und Inhaber, Elektro Haack

Nicht alles, was technisch möglich ist,
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Unser Grundsatz: Wir empfehlen nur, was wir auch bei uns zu Hause einbauen würden. Und wenn wir von einer Lösung nicht überzeugt sind, sagen wir das offen – auch wenn uns das einen Auftrag kostet. Denn gutes Handwerk beginnt mit einer Empfehlung, hinter der man steht.

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